Ursprung der Japaner

Der Ursprung der Japaner

Der Ursprung der Japaner, ihre Ethnogenese (Entstehungsgeschichte), beschäftigt die Forschung bis heute. Das liegt einerseits am Fortschritt der Wissenschaft, andererseits an den wenigen archäologischen Funden von Menschen aus prähistorischer Zeit in Japan.
Diese lassen zudem verschiedene Thesen zu. Anthropologische und linguistische Untersuchungen ebenso. Das heißt, dass manches auch aus Sicht der Wissenschaft nicht absolut eindeutig ist. Nur genetische Untersuchungen sind inzwischen relativ genau und daher aussagekräftig. Folgend ist die Geschichte der Besiedlung der japanischen Inseln nach den prinzipiell anerkannten Theorien dargestellt.

Ursprung des Homo sapiens

Geht man dem Ursprung der Japaner nach, dann macht es Sinn, sich die Entwicklung des Homo sapiens anzuschauen. Dessen Auftreten markiert den Beginn der modernen Menschheit. Dieser Beginn liegt zeitlich im Pleistozän (2,58 Mio. – 11.780 Jahre v. u. Z.*), was annähernd identisch mit der Altsteinzeit oder dem sogenannten Paläolithikum (2,5 Mio. Jahre v. u. Z.* bis 9.700 v. Chr.) ist. In diesem Zeitraum entwickeln sich auch archaische Hominiden, Vorgänger des modernen Menschen, die sich durch höhere kognitive Fähigkeiten auszeichneten. Die verschiedenen Hominiden waren allesamt Jäger und Sammler und breiteten sich von Afrika ausgehend aus. Sie entwickelten und nutzten Steinwerkzeuge, verfeinerten diese und beherrschten mit der Zeit das Feuer. Aber wie kam der Homo sapiens nach Asien bzw. Japan? Hierzu zwei Thesen:

These 1

Der Ursprung des Homo sapiens liegt in Afrika, wo er sich auch entwickelt hat. Klimaveränderungen initiierten wahrscheinlich dessen Ausbreitung vor ca. 80.000 – 50.000 Jahren v. u. Z.* Von Afrika ausgehend, erreichte er verschiedene Regionen Eurasiens, wo er sich fast simultan verteilte. In Ostasien kam er vermutlich vor etwa 40.000 – 35.000 Jahren v. u. Z.* an[1]. Homo sapiens traf auf andere, weniger entwickelte Hominiden, die sich vor seiner Ankunft dort ausgebreitet hatten, aber von ihm dann verdrängt wurden [2].

These 2

Homo sapiens, als dominanter Hominide im Pleistozän bzw. Paläolithikum, hat seinen Ursprung in verschiedenen Teilen der Alten Welt. Er ist eine späte Entwicklung aus archaischen Vorfahren einschließlich regionaler Abstammungen, z. B. des Homo erectus. Das erklärt auch die Herausbildung regional unterschiedlicher Menschen, von denen physiologisch heute der mongolische der dominante Typ in Sibirien, Ost- und Südostasien ist. Zu diesem Typ zählen auch die heutigen Japaner[2].

Beweise für den Ursprung der Japaner

Welche archäologischen Funde zeugen vom Ursprung der Japaner? Trotz einiger Zweifel über eine recht frühe Einwanderung von Menschen auf die japanischen Inseln, gibt es archäologische Funde von Steinwerkzeugen. Diese deuten auf die Existenz des Homo erectus hin, schon 500.000 Jahre v. u. Z.*. Dies ist durchaus denkbar. Denn im Pleistozän ist ein geringerer Teil der Erde noch von gigantischen Gletschern der Eiszeit bedeckt, während das Erdklima fluktuierte und damit auch der Meeresspiegel. Entsprechend veränderte sich die Küstenlinie immer wieder. Die japanischen Inseln waren zeitweise durch Landbrücken mit dem Kontinent verbunden und das heutige Japanische Meer war ein Binnengewässer. Erst gegen Ende des Pleistozäns veränderten stetig steigende Temperaturen die Vegetation. Das Süßwasser der schmelzenden Gletscher führte zum Anstieg der Meere. Der Höhenunterschied zwischen dem heutigen und damaligen Meeresspiegel macht ca. 90 – 100 m aus (siehe Karten 1 u. 2[3, 4]).

Küstenverlauf Japans vor ca. 500.000 Jahren.
Karte 1: Vermutlicher Küstenverlauf vor ca. 500.000 Jahren (grau) u. heute (schwarz). © Marko Matijević, 2019. Karte zu klein und unleserlich? Kein Problem, einfach auf die Karte klicken!
Küstenverlauf Japans vor ca. 20.000 Jahren.
Karte 2: Vermutlicher Küstenverlauf vor ca. 20.000 Jahren (grau) u. heute (schwarz). © Marko Matijević, 2019. Karte zu klein und unleserlich? Kein Problem, einfach auf die Karte klicken!

Unklar bleibt aber, ob die Hersteller der Steinwerkzeuge auch die Vorfahren der heutigen Japaner sind. Das liegt daran, dass es nur wenige Funde menschlicher Überreste in Japan gibt, die hierüber Aufschluss geben. Diese reichen i. d. R. nicht weiter als 17.000 Jahre v. u. Z.* zurück, wie z. B. der Skelettfund von Minatogawa auf Okinawa belegt, oder ins Jungpaläolithikum, also 40.000 Jahre v. u. Z.* bis 12.000 v. Chr. Das Entscheidende hierbei ist, dass diese Funde fast identisch mit denen aus Südchina sind und denen sogenannter Jōmon-Menschen in Japan (siehe unten). Das lässt vermuten, dass die Jōmon-Menschen aus diesem archaischen Typ hervorgingen[3, 4].

Besiedlung Japans durch Homo sapiens

Um den Ursprung der Japaner zu erforschen, muss noch eine Frage geklärt werden. Wie kam der Homo sapiens auf die Japanischen Inseln? Bisher folgten Anthropologen und Archäologen der Ansicht, dass im Jungpleistozän, etwa 126.000 – 11.780 Jahre v. u. Z*, Kolonisten erstmals in Japan auftauchten. Dies war möglich, weil vermutlich in dieser letzten Kältephase des Erdklimas drei Landbrücken zum Kontinent existierten. Inzwischen ist man der Auffassung, dass die Migration auf die japanischen Inseln in dieser Zeit bereits die Nutzung von primitiven Wasserfahrzeugen erforderte. Mit Ausnahme von Hokkaidō, das über Sachalin mit Sibirien verbunden war, glaubt die Mehrheit der Forscher heute, dass die ersten Einwanderer über die Korea-/Tsushima-Straße (die Meerenge zwischen Südkorea, Nord-Kyūshū und Süd-Honshū) kamen. Das beweisen die ältesten japanischen Funde einzigartiger Speerspitzen (hakuhen-sentōki 剥片頭器) auf den Hauptinseln Honshū und Kyūshū, deren Entstehung auf etwa 38.000 Jahre v. u. Z.* datiert wurde.

Die Überquerung des Meeres

Weil man eben solche Speerspitzen auch in Korea fand, legt dies die Nutzung der Passage über die Meerenge über Tsushima nahe. Die Meerenge konnte vermutlich auf zwei Wegen von je 35 km länge entlang der Insel Tsushima überquert werden, zumal der Meeresspiegel wahrscheinlich um 80 m niedriger als heute war (siehe Karte 3[5]). Die Menschen jener Zeit waren wohl bereits in der Lage größere Gewässer zu überqueren, denn sonst wäre auch die Besiedlung Südostasiens und Australiens nur schwer zu erklären und anders verlaufen. Die Migration über das Meer aus Südostasien und Südchina wird inzwischen auch für die Ryūkyū-Inselgruppe (Okinawa) im Süden Japans angenommen. Die Besiedlung auf Kyūshū scheint sich dann 30.000 Jahre v. u. Z.* in einer zweiten Welle wiederholt zu haben. Bodenanalysen weisen in weiten Teilen der Insel dicke Ablagerungen von Vulkanasche auf, was auf einen enormen Ausbruch in jener Zeit hindeutet. Dieser hat wahrscheinlich die Insel teils verwüstete[6].

Karte des Küstenverlauf Japans vor ca. 38.000 Jahren u. Einwanderungsrouten.
Karte 3: Vermutlicher Küstenverlauf vor ca. 38.000 – 35.000 Jahren (grau) u. heute (schwarz) und Wege der Einwanderung nach Japan. © Marko Matijević, 2019. Karte zu klein und unleserlich? Kein Problem, einfach auf die Karte klicken!

Mit welchen Völkern sind die Japaner verwandt?

Die Herkunft der ersten Siedler liegt also geografisch im heutigen Sibirien (Karte 3: rote Linien), Südostasien (Karte 3: gelbe Linie von Süden) und China (Karte 3: gelbe Linie von Westen) bzw. Korea (Karte 3: violette Linien). Dies würde auch eine sehr enge genetische Verwandtschaft der Japaner mit den Asiaten auf dem Kontinent nahelegen. Jedoch zeigt ein Vergleich ein überraschend anderes Ergebnis. Prof. Saito Naruya, vom Nationalen Institut für Genetik in Shizuoka, ging der Frage nach dem Ursprung der Japaner nach. Er führte mit verwertbarem Erbgut menschlicher Knochenfunde (Zähne) des Jōmon-Zeitalters (ca. 14.000 bzw. 10.000 – 3. Jh. v. Chr.**) und heutiger Japaner eine vergleichende Analyse durch. 2017 gab Saito sein Forschungsergebnis bekannt.

Demnach teilen die Japaner 12% ihres Genoms mit den Menschen aus dem Jōmon-Zeitalter. Damit sind die Jōmon-Menschen als Vorfahren der heutigen Japaner zu betrachten. Ebenso der Ureinwohner, der Ainu, sowie der Bewohner der Ryūkyū-Inseln, Taiwans, der Philippinen und Indonesiens. Vor allem zeigte die Analyse, dass das japanische Genom wenig Verwandtschaft mit dem heutiger Völker in Südost- oder Ostasien aufweist. Dies lässt die These zu, dass die Jōmon-Menschen eine eigenständige Gruppe darstellen[7]. Archäologisch ist die Ausbreitung dieses Menschentyps auf Kamtschatka, Sachalin, den Kurilen, den vier Hauptinseln Japans und Okinawa nachweisbar. Eine genetische Ausbreitung ist sogar bis nach Südostasien erwiesen.

Rekonstruktion des Jōmon-Menschen

2019 untersuchte eine Forschergruppe einen weiblichen Schädel des Jōmon-Zeitalters. Der Schädel wurde auf der Insel Rebun gefunden, vor der Nordwestspitze von Hokkaidō. Das Alter des Schädels wurde auf 3.500 bis 3.800 Jahre geschätzt. Die gut erhaltenen Backenzähne ließen eine präzise DNA-Analyse zu. Das Ergebnis spricht für einen gemeinsamen Vorfahren von Jōmon-Menschen und Han-Chinesen vor etwa 18.000 bis 38.000 Jahren. Auch eine genetisch enge Verwandtschaft der späten Jōmon-Menschen mit Gruppen entlang der sibirischen Ostküste und der koreanischen Halbinsel ist erwiesen. Ebenso mit indigenen Stämmen Taiwans. 2018 dienten Skelett und DNA der Rekonstruktion des Aussehens. So hatte die Frau eine dunklere Haut und braune Augen, aber heller als die heutigen Japaner. Sie hatte Sommersprossen und dünnes, krauses Haar (siehe Bild 1). Sie maß 1,40 m und hatte wohl eine hohe Alkoholtoleranz gehabt und war genetisch an eine fettreiche Ernährung angepasst. Dafür sprechen die vielen ausgegrabenen Seelöwenknochen am Fundort Funadomari[8].

Bild eines rekonstruierten Frauenkopfes des Jōmon-Zeitalters
Bild 1: Rekonstruktion einer 3.800 Jahre alten Jōmon-Frau von der Insel Rebun, Japan. Bildquelle: Tetsu Kobayashi, 12. März 2018. Archaeology News Network: DNA-Based Study Reconstructs Face Of Japanese Woman From 3,800 Years Ago. https://archaeologynewsnetwork.blogspot.com/2018/03/dna-based-study-reconstructs-face-of.html#uLPHSPIuScwMcYwQ.97. Abgerufen: 11.08.2020.

Die Jōmon-Menschen wurden im Yayoi-Zeitalter (ca. 3. Jh. v. Chr. – 3. Jh. n. Chr.) bald von neuen Einwanderern verdrängt. Dies setzte sich im darauf folgenden Yamato-Zeitalter (3. – 8. Jh.) fort. Es etablierte sich genetisch und physiognomisch der Menschentyp, den wir auch heute als Japaner ansehen. Auch in der Anthropologie spricht man daher von den Yamato-Nihon-jin (Yamato-Japanern). Die stellen letztlich eine Mischung aus Jōmon- und Yayoi-Menschen dar (Bild 2).

Abbildung eines Jomon-, Yayoi- und Yamato-Menschen
Bild 2: Unterschiede zwischen Jōmon- und eingewanderten Yayoi-Menschen sowie den Yamato-Japanern, den Vorfahren der modernen Japaner.

Ainu – die letzten Jōmon-Menschen

Die Ainu waren einst Jäger, Fischer und Sammler. Als unmittelbare Nachfahren der Jōmon-Menschen unterschieden sie sich von den Yamato-Japanern. Diese verdrängten die Ainu zwischen dem 3. und 10. Jh. in Feldzügen immer weiter gen Norden oder unterwarfen sie.
Zwar sind die Ainu von ihrer genetischen Abstammung her Ostasiaten, trotzdem zeigen sie aber leicht kaukasische Züge und Eigenschaften: kantigeres Gesicht, doppelte Lidfalte, ausgeprägtere Augenbrauen, definiertere Nase, stärkeren Bartwuchs und Körperbehaarung (Bild 2 u. 3). Wie sehr dies heute noch zutrifft, das hängt natürlich auch vom Grad der genetischen Vermischung ab. Inzwischen sind reine Ainu in Japan eine Minderheit, weil man im 19. Jh. mit der Erschließung des hohen Nordens Japans die Ainu gezielt genetisch sowie sprachlich-kulturell assimilierte. Optimistische Schätzungen gehen von bis zu 200.000 Ainu aus. Umso mehr identifizieren sich heute die Wenigen über ihre Kultur und Sprache, durch die sie sich noch als eigenständige Ethnie auszeichnen.

Abbildung einer Gruppe von Ainu, 1904.
Bild 3: Gruppe von Ainu (4 Männer, 3 Frauen u. 2 Kinder) in Trachten, 1904. Die Frauen tragen Kopftücher, zwei auch Halsschmuck, und sind um den Mund tätowiert. Anthropologische Untersuchungen legen eine enge Verwandtschaft der Ainu mit den Ureinwohnern Alaskas und der Pazifikküste Kanadas nahe, was sich auch in deren Kunst widerspiegelt. Bildquelle: Department of Anthropology, OWFN 5002, 1904. Missouri Historical Society, 2006.

Genetische Melange als Ursprung

Die nach den Vorfahren der Ainu eingewanderten Siedler stellten eine dominante Gruppe dar. Sie wanderten aus dem heutigen China und der Mongolei über die koreanische Halbinsel in Süd-Honshū und Nord-Kyūshū ein (Karte 3). Dort etablierten sie miteinander verbundene Stammesgebiete. Als sie schließlich begannen die Grenzen ihres Herrschaftsgebiets auf Kyūshū, Shikoku und Honshū auszuweiten, stießen sie auf die älteren Stämme der zuvor Eingewanderten. Ungeachtet des Widerstandes der Alteingesessenen gegen diese Eindringlinge, kam es sicher auch zur Vermischung zwischen Eroberern und Unterworfenen. Trotzdem ist die verschiedene Herkunft der frühen und späten Einwanderer bis heute noch anhand gewisser physiologischer (Körperbau) wie physiognomischer (Gesichtsmerkmale) Unterschiede unter den Japanern aus verschiedenen Landesteilen mehr oder weniger zu erkennen. Damit ist der Ursprung der Japaner nicht auf einen Stamm oder Menschentyp zurückzuführen, sondern viel mehr auf eine Mischung verschiedener Einflüsse.

Ursprung der Japaner genetisch entschlüsselt

Der Ursprung der Japaner lässt sich wohl am ehesten an deren Genen nachvollziehen. Nachdem Forscher 2003 das menschliche Genom entschlüsselten, wird verstärkt auch auf Basis der Gene/DNA nach dem Ursprung der Japaner geforscht, wie z. B. von Prof. Saito in Shizuoka (siehe oben). Der genetische Vergleich moderner Völker erfolgt i. d. R. über die sogenannten Marker oder haploiden Genotypen/Haplotypen. Marker oder Haplotypen sind spezifische Sequenzen auf Chromosomen im menschlichen Erbgut. Sie dienen der Identifizierung bestimmter Merkmale. Das können bestimmte physiologische Eigenschaften sein, wie die Augenform und Farbe oder die Struktur und Farbe der Haare sowie die Statur usw. An den Haplotypen lässt sich die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Population oder Ethnie bestimmen. Auch die Verwandtschaft kann bewiesen werden, sogar der Ursprung.

Marker im Blut

Genforscher haben festgestellt, dass Jōmon-Menschen (einschließlich der Ryūkyū-Inselbewohner und der Ainu) einen genetischen Marker gemein haben. Es handelt sich um den Marker ab3st, der im Blut nachgewiesen werden kann. Dieser ist heute auch bei Koreanern, Tibetern, Tungusen, Jakuten und Inuit vorhanden. Am häufigsten kommt dieser Marker aber beim Volk der Burjaten rund um den Baikalsee vor. Damit liegen die Ursprünge der Vorfahren der Jōmon-Menschen in dieser Region. Funde menschlicher Besiedlung reichen hier etwa 25.000 Jahre zurück. Der Klimawandel führte zur Wanderung von Stämmen gen Süden und Osten und schließlich bis nach Japan. DNA-Analysen bisheriger menschlicher Überreste des Jōmon-Zeitalters weisen überwiegend eine Verwandtschaft mit den heutigen Burjaten auf. Hingegen sind nur wenige direkt mit Koreanern, Chinesen oder Taiwanesen verwandt.
In der Volksrepublik China ist dieser Marker eher selten vorzufinden. Hier dominiert der Haplotyp afb1b3. Er ist besonders stark in den Provinzen Guangxi und Yunnan im Südwesten Chinas verbreitet[9].

Haplotypen

Für die Betrachtung des genetischen Ursprungs der Japaner spielen 8 Haplotypen (hier nach Y-Chromosomen bestimmt) eine Rolle. Ermittelt wurden ihr regionales Auftreten, ihr prozentualer Anteil an der Bevölkerung in Japan sowie ihr weiteres Vorkommen in Asien[10, 11]:

HaplotypVorkommen in JapanAnteil %Vorkommen in Asien
C1-M8Nord-Honshū bis Okinawa2,2Kurilen, Kamtschatka
C-M127Hokkaidō3Ostsib., Zentral-, Süd-, Südostas.
D2-M55Hokkaidō, Nord-Honshū, Ryūkyū38,8Sibirien
D1-M55Nord-Kyūshū, Honshū, Hokkaidō0,4Tibet
NO-M204Honshū, Shikoku, Kyūshū21,7Ural, Nordsibirien
O2b-M176Ryūkyū-Inseln8,4Korea, Indon., Thailand, Vietnam
O2b1-47zRyūkyū-Inseln25,4Indon., Thail., Vietn., Mikronesien
Q-M242Mittel-Honshū8,4Zentralasien, Sibirien, Amerika
Vgl. Kawagoe, Aileen: Origins of the Jomon, Jomon connections with the continent and with today’s Japanese. Heritage of Japan, 2007. Abgerufen am 10.08.2020.

Wissenschaftler sind auch zum Schluss gekommen, dass der Genpool der Immigranten des Yayoi-Zeitalters, die vor 2.400 Jahren eingewandert waren, nur einen begrenzten Einfluss (wenn überhaupt) auf die Bevölkerung des späten Jōmon-Zeitalters in Hokkaidō hatte. Daraus folgt, dass die Abstammungslinie der späten Jōmon-Menschen und der Ainu weit von der des japanischen Festlandes und des nördlichen Kyūshū entfernt ist. Denn diese stammen von kontinentalen Abstammungslinien ab[12].

Anmerkungen

* v. u. Z.: vor unserer Zeit. Mit “unserer Zeit” ist die Gegenwart gemeint, wobei hier als zeitlicher Bezugspunkt das Jahr 1950 von Wissenschaftlern gewählt wurde (siehe: North American Stratigraphic Code, 2005, Article 13 – Age, C – Convention and abbreviations).

** Die Länge des Jōmon-Zeitalters wird verschieden definiert, beginnt aber spätestens mit der Einführung der Keramik auf den japanischen Inseln.

Quellen

[1] Vgl. Kaifu, Yosuke; Izuho, Masami; Goebel, Ted et al.: Modern Human Dispersal and Behavior in Paleolithic Asia: Summary and Discussion. In: Kaifu, Y.; Izuho, M.; Goebel, T. et al.: Emergence and Diversity of Modern Human Behavior in Paleolithic Asia. College Station, Texas A&M University Press, USA 2015. S. 546, Fig. 35.1.

[2] Vgl. Lee, Jaehoon: The Relatedness between the Origin of Japanese and Korean Ethnicity. The Florida State University, College of Arts and Science, USA 2004. S. 16-19.

[3] Vgl. Katayama, Kazumichi: The Japanese as an Asia-Pacific Population. In: Denoon, D.; Hudson, M.; McCormack, G. and Morris-Suzuki, T.: Multicultural Japan: Palaeolithic to Postmodern. Cambridge University Press, Cambridge 1996. S. 19-22, 28.

[4] Vgl. Bae, C. J.; Bae, K.: Nature of the Early to Late Paleolithic transition in Koera: Current perspectives. In: Catto, N. R. et al. (Ed.): Quaternary International. Elsevier, Amsterdam 2012. S. 31f.

[5] Vgl. Morisaki, K.: Appearance of Hakuhen-Sentoki (HS Points) and Second Modern Human Migration into Kyushu, Japan. In: Kaifu, Y.; Izuho, M.; Goebel, T. et al.: Emergence and Diversity of Modern Human Behavior in Paleolithic Asia. College Station, Texas A&M University Press, USA 2015. S. 378, Fig. 26.2.

[6] Vgl. Kaifu, Y. et al., 2015. S. 553f. (siehe[1])

[7] Vgl. 神澤ほか(2016)「礼文島船泊縄文人の核ゲノム解析」第70回日本人類学大会. https://www.yomiuri.co.jp/fukayomi/20171214-OYT8T50003/2/

[8] Vgl. The Japan Times (online): Decoding of Jomon woman’s genome suggests common ancestor unites Japanese and Han Chinese, 14.05.2019. Vgl. Archaeology News Network: DNA-Based Study Reconstructs Face Of Japanese Woman From 3,800 Years Ago. Abgerufen am 11. August 2020.

[9] Vgl. Kawagoe, Aileen: Origins of the Jomon, Jomon connections with the continent and with today’s Japanese; Heritage of Japan, 2007. Abgerufen am 10.08.2020.

[10] Vgl. Ebd.

[11] Vgl. World Map of Y-Chromosome Haplogroups – Dominant Haplogroups in Pre-Colonial Populations with Possible Migrations Routes, Jan. 2019. Bei: commons.wikimedia.org/wiki/ File:World_Map_of_Y-DNA_Haplogroups.png. Siehe auch: de.wikipedia.org/wiki/Haplogruppe_O_(Y-DNA), de.wikipedia.org/wiki/Haplogruppe_D_(Y-DNA).

[12] Vgl. Kawagoe, A. (siehe [9])