Öffentliche Sicherheit

Sicherheit allgemein

Japan zählt zu den sichersten Ländern der Welt, wenn man die öffentliche Sicherheit an der Kriminalität im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße misst. Ebenso ist die Häufigkeit terroristischer Angriffe vergleichsweise gering. Und in Sachen Gesundheit, Hygiene und Infrastruktur herrschen im Land sehr hohe Sicherheitsstandards.
Die Natur kann hingegen eine ernste Bedrohung für die Einwohner darstellen. Erd- und Seebeben, Stürme oder Vulkanausbrüche sind immer wieder auftretende Ereignisse. Das große Seebeben vom 11. März 2011 vor der Nordostküste Japans hatte eine Flutwelle (tsunami) zur Folge, die der Auslöser der Atomkatastrophe von Fukushima war. Was danach geschah, rüttelte am international sehr positiven Image Japans, das sonst auf Naturkatastrophen dieser Art gut vorbereitet schien.

Verbrechen

Kriminalität gibt es auch in Japan. Dennoch ist das Land sehr sicher, weil die Verbrechensrate niedrig ist. Z. B. bieten die Metropolregionen ein hohes Maß an öffentlicher Sicherheit.
So ist z. B. die Kleinkriminalität sehr gering und beeinträchtigt kaum das öffentliche Leben. Hingegen gehen die Mitglieder des organisierten Verbrechens, die sogenannten yakuza, legalen wie illegalen Geschäfte nach. Prostitution, Drogen, Waffen, Erpressung, Schutzgelder, Bars, Glücksspiel und Immobilien sind ihre Geldquellen. Allerdings sind die yakuza durch neue Gesetze immer mehr in Bedrängnis. Im Grunde sind sie es aber, die neben der Polizei dafür sorgen, dass Kleinkriminelle in ihren Revieren die zahlende Kundschaft nicht bedrängen. Weil das wäre schlecht für die Geschäfte der yakuza.
Wie es in den verschiedenen Ecken des Landes in Sachen Kriminalität und anderer Gefahren aussieht, darüber gibt das Gaccon Anzen Navi Auskunft, zwar nur auf Japanisch, aber mit leicht verständlichen Symbolen für 27 verschiedene Delikte oder Vorkommnisse.

Gewalttaten

2021 gab es in Japan gleich zwei Fälle von Angriffen in Zügen.
Am 31. Oktober, zu Halloween, verletzte ein als “der Joker” (Bösewicht aus dem Film “Batman”) kostümierter junger Mann 17 Passagiere in einer U-Bahn mit einem Messer. Darauf legte er Feuer in einem Wagon. Die Polizei überwältigte den offensichtlich mental gestörten Mann. Dann, Anfang November, versuchte ein älterer Täter den U-Bahn Angriff im Hochgeschwindigkeitszugs von Hiroshima nach Kagoshima nachzuahmen. Auch hier konnte die Polizei den Täter überwältigen.
Solche Fälle hat es auch in der Vergangenheit gegeben. Dennoch bleiben sie die Ausnahmen. Sie spiegeln in den Medien oft ein falsches Bild zur Sicherheit in Japan. Die Regierung verlangt inzwischen von den Bahngesellschaften Videoüberwachungssysteme in den Zügen.

Korruption

zwar Eine andere Form der Kriminalität ist die Korruption. Hier schneidet Japan im internationalen Vergleich mit anderen Industrieländern schlecht ab (Platz 18 im CPI 2021[1]).
Weil Japan eine Gesellschaft stark personalisierter Beziehungen ist, sind Korruptionsdelikte in Wirtschaft, Politik und Verwaltung nicht selten. Gute persönliche Beziehungen, z. B. von Unternehmen zu Politikern, werden oft genutzt, um bestimmte wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Eine adäquate Gegenleistung für Gefälligkeiten ist selbstverständlich. Wenn aber Korruptionsfälle auffliegen, dann verlieren die beteiligten ihr “Gesicht”. Außerdem ist neben der Strafverfolgung ein Karriereende meist die Konsequenz. Das Karriereende ist zwar hart, wird aber durch das persönliche Netzwerk in die Wirtschaft und Politik gemildert. Das heißt, dass korrupte Beamte meist bei den Firmen Anstellung finden, für deren Vorteil sie zuvor Einfluss auf die Politik nahmen.

Terrorismus

Terrorismus stellt in Japan bisher nur eine geringe Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Es gab zwar in den 1970ern eine linksgerichtete Untergrundorganisation, die sich Japanische Rote Armee (JRA) nannte. Jedoch löste sie sich 2001 auf. Allerdings verübten 1995 Anhänger der Ōmu Shinrikyō, auch bekannt als Aum-Sekte, einen Sarin-Anschlag auf die U-Bahn in Tōkyō. Die Mitglieder waren religiös verblendete Fanatiker, die den Untergangsprophezeiungen ihres sehbehinderten Gründers Glauben schenkten. Matsumoto Chizuo (1955 – 2018), der sich in Shōkō Asahara umbenannte, wurde als Anführer der Sekte wegen mehrfacher Anstiftung zum Mord 2004 zum Tode verurteilt. Jedoch bestanden ernste Zweifel an seinem Geisteszustand. 2006 wurde das Urteil in letzter Instanz vom Obersten Gerichtshof bestätigt und am 16. Juli 2018 vollstreckt.
Hingegen gibt es keinen islamistischen Terrorismus. Denn es gibt nur sehr wenige Muslime in Japan. Meist sind dies Gastarbeiter oder Studenten und verschwindend wenige Flüchtlinge.

Fukushima

Öffentliche Sicherheit kann auch an der Sicherheit der Infrastruktur gemessen werden. Gerade in Japan, einem Hi-Tech Land, bieten Straßen, Bahnen und Gebäude ein hohes Maß an Sicherheit. Gleiches hätte man auch bei Kernkraftwerken erwartet. Dann kamen aber das Seebeben und der tsunami vom 11. März 2011. Neben der Flutwelle führten vor allem technisches und menschliches Versagen zur Atomkatastrophe in Fukushima.
Einige Bereiche der Präfektur Fukushima sind bis heute Sperrzonen. Vor allem alles im Umkreis von 20 km um das zerstörte Atomkraftwerk. Andere Bereiche sind nur für einen kurzfristigen Aufenthalt freigegeben. Und in wieder andere kehren die 2011 evakuierten Einwohner inzwischen zurück.
Wer diese Region unbedingt selbst sehen möchte, kann über das Touristikunternehmen Knot World Co. eine spezielle Tour in die Präfektur buchen. Englischsprachige Guides führen die Besucher durch die verlassenen Orte.

Japanische Begriffe und Schriftzeichen

Gaccon Anzen Navi ガッコム安全ナビ (w. Gaccon Sicherheits-Navi): Website mit grafischer Darstellung von Gefahrenpotenzialen in ganz Japan

Tsunami 津波 (w. Hafenwelle): Durch Seebeben oder gewaltige Erdrutsche verursachte Flutwellen

Yakuza やくざ (w. 893; nutz-, wertlos): Bezeichnung für Japans Verbrechersyndikate

Quellen

[1] Vgl. Transparency International: Korruptionswahrnehmungsindex oder Corruption Perceptions Index (CPI) 2020. Transparency International Deutschland e.V., Berlin 2022.
Vgl. Statista: Japan: Bewertung von wahrgenommener Korruption nach dem Corruption Perceptions Index (CPI) von 2012 bis 2021. Statista GmbH, Hamburg 2022.