Schiffsverbindungen

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Schiffsverbindungen in Japan

Schiffsverbindungen spielen eine große Rolle für die Japaner, weil viele der kleineren und besonders die entlegeneren Eilande des Archipels nicht über Brücken oder Tunnel mit den Hauptinseln verbunden sind. Zudem haben viele der weit im Pazifik liegenden Inseln aufgrund ihres vulkanischen Ursprungs eine hügelige oder gar gebirgige und zerklüftet Landschaft. Folglich gibt es dort keine Flugplätze.
Inzwischen sind aber gerade diese entlegenen Inseln Japans touristisch von Interesse. Denn dort leben die Menschen in idyllischen Dorfgemeinden von der Fischerei und etwas Landwirtschaft. Interessant sind viele der Inseln auch landschaftlich sowie ökologisch. Somit sind ausländische Besucher ein wichtiger Wirtschaftszweig geworden, der sonst recht einsamen Gemeinden. Schiffe bringen die Touristen und damit ein Zusatzeinkommen, neben dringend benötigten Waren.

Rückgang des Fährbetriebs

Lange waren Schiffsverbindungen auch der einzige Anschluss zwischen den Hauptinseln Hokkaidō, Honshū, Shikoku und Kyūshū. Obwohl alle vier Inseln recht nah beieinander liegen, waren die technischen Möglichkeiten damals noch begrenzt, um Brücken oder Tunnel zu bauen.
Daher bildeten sich im späten 19. Jh. die ersten japanischen Schifffahrtsgesellschaften oder Reedereien. Weil parallel auch der Ausbau des japanischen Eisenbahnnetzes stattfand, gab es eine Zeit lang neben Passagier- auch Eisenbahnfähren. Erst als in den 1970ern und ’80ern diverse Brücken und Tunnel zwischen den Hauptinseln fertiggestellt wurden, waren Eisenbahnfähren nicht mehr gefragt. Allerdings bleiben bis heute große und kleine Passagier- und Autofähren noch im Einsatz (Abb. 1).

Abb. 1: Fährterminal der Meimon Taiyo Ferry Reederei in Shinmoji, Kyūshū.

Wichtige Schiffsrouten Japans

Es gibt eine Menge an Schiffen die zwischen den unzähligen bewohnten Inseln verkehren. Daher möchte ich mich hier auf die wichtigen oder wichtigsten beschränken, die ich zudem grafisch dargestellt habe. Während die Langstrecken (farbige Linien, Karte 1–3) von großen Auto- und Passagierfähren bedient werden, sind die Kurzstrecken (grüne Linien, Karte 1–3) hingegen kleinen Booten vorbehalten. Dies sind oft Tragflächen- oder Schnellboote, die zwar schnell sind, dafür aber nur Passagiere befördern.

Routen zwischen den Hauptinseln

Die wichtigsten Schiffsverbindungen auf Lang- und Kurzstrecken verlaufen zwischen den vier Hauptinseln Hokkaidō, Honschū, Shikoku und Kyūshū. Die küstennahen, größeren und bewohnten Inseln und Inselgruppen stellen Kurzstrecken dar. Insbesondere wird Hokkaidō gleich von Fähren mehrerer Gesellschaften angelaufen (Karte 1).
In Karte 1 fehlt die Route von Sakaiminato (Präfektur Tottori auf Honshū) nach Vladivostok/Russland. Diese Route bedient nur die Reederei DSB, einmal die Woche und nur für Passagiere. Allerdings ist aufgrund der momentanen politischen Lage (Angriff Russlands auf die Ukraine) so eine Passage wohl zu überlegen.

Karte der Schiffsverbindungen in Japan, Lang- u. Kurzstrecken zwischen den Hauptinseln
Karte 1: Schiffsverbindungen zwischen Japans Hauptinseln.

Routen der Inlandsee

Ein Teil der Schiffsrouten verläuft durch die sogenannte Inlandsee (jp. Seto-Naikai). Das heißt, das Binnenmeer, das von den Küsten Honshūs, Shikokus und Kyūshūs begrenzt wird (Karte 2). Diese Routen gelten auch als interessant, aufgrund der sehenswerten Insel- und Küstenlandschaft. Die Schiffe ziehen an vielen bewohnten und unbewohnten Eilanden vorbei und passieren unter mehreren Hängebrücken, die Shikoku mit Honshū verbinden. Die Brücken gehören zu den herausragenden Leistungen japanischer Ingenieure. Auch das nächtliche Szenario hat seinen Reiz, mit den vielen Lichtern der Küstenstädte und Inseldörfer sowie den mächtig hohen, langen und beleuchteten Brücken.

Karte der Schiffsverbindungen auf Lang- u. Kurzstrecken in der japanischen Inlandsee
Karte 2: Schiffsverbindungen in der japanischen Inlandsee.

Inselketten und Nachbarländer

Heute ziehen die weit draußen im Pazifik gelegenen Nansei- und Nampō Inselketten viele Touristen an. Bspw. Okinawa oder die Ogasawara-Inseln, die auch Bōnin-Inseln genannt werden (Karte 3). Sie sind eine Welt für sich und bieten Sonne, Wind und Strände. Die Dorfgemeinden dort sind inzwischen auch auf Touristen aus dem Ausland eingestellt. Daher gibt es auch eine regelmäßige Fährverbindung zu beiden Inselketten von Tōkyō aus.
Hingegen sind die südlichsten der Nansei-Inseln, wie z. B. Miyko- oder Ishigaki-jima usw. (Karte 3), quasi nur in mehreren, dafür aber kurzen Etappen zu erreichen. Diese führen dann von Kagoshima (Süd-Kyūshū) über Okinawa. Okinawa, das Zentrum der Ryūkyū-Inseln, ist eine Art Sehnsuchtsort vieler Japaner und Ausländer. Sozusagen die “Karibik” Japans, die mit subtropischem Klima und Meer lockt.
Schließlich kann man auch Südkorea per Schnellboot von Japan aus erreichen. Ebenso soll von Taiwan aus bald eine ständige Schiffsverbindung nach Yonaguni-jima gehen, der südwestlichsten Insel Japans. Es gibt derzeit keine offizielle Verbindung in die Volksrepublik China.

Karte der Schiffsverbindungen zu den außen liegenden Inselketten Japans und Nachbarländern.
Karte 3: Schiffsverbindungen zu den außen liegenden Inselketten Japans und Nachbarländern.

Schiffe als Alternative zum Zug?

Wer in Japan reist und es dabei nicht sehr eilig hat, sollte Schiffe oder Boote durchaus in Betracht ziehen. Denn nicht alle Küstenorte sind ans Streckennetz der Shinkansen (Hochgeschwindigkeitszüge) angebunden, die aber von Interesse sein könnten. Insbesondere die Nampō- und Nansei-Inselketten (Karte 3) sind nur per Schiff oder Flugzeug erreichbar.
Auf den langen Schiffsverbindungen verkehren große Fähren, die Fahrzeuge und Passagiere aufnehmen. Dabei bieten diese durchaus guten Komfort und Service, weil sich japanische Reedereien Kreuzfahrtschiffe zum Vorbild genommen haben. Das heißt, Kundenbindung durch Komfort und entspanntes reisen. Das gilt auf den modernen Großfähren übrigens auch für Behinderte (z. B. Rollstuhlfahrer).

On-board Service

Die modernen Autofähren bieten auf Langstrecken diverse Annehmlichkeiten an Bord an. Was für Reisende in Frage kommt, ist daher eine Frage des Budgets. Das heißt, dass das Angebot an Kabinen für jeden Reisenden etwas bietet. So zum Beispiel bei den neueren Fähren der Meimon Taiyo Ferry Reederei, bei denen sich das gut tabellarisch darstellen lässt.

KabinenkategoriePersonenzahlKomfort/Ausstattung
Suite (A)bis zu 2sehr gut/eigenes Bad, WC, Tv
Suite (B)bis zu 2sehr gut/eigenes Bad, WC, Tv
Deluxebis zu 2sehr gut/eigenes Bad, WC, Tv
Superiorbis zu 3gut/Dusche, WC, Tv
1. Klasse (Standard)bis zu 4gut/Tv (Rest im Servicebereich*)
1. Klasse (Single)1gut/Tv (Rest im Servicebereich*)
1. Klasse (jap. Stil)bis zu 4gut/Tv (Rest im Servicebereich*)
Komfortgroße einzelne Schlafkojemittel/Servicebereich*
Touristeneinzelne Schlafkoje/Tandemmittel/Servicebereich*
Economy10 >gering/Servicebereich*
* Der Servicebereich bietet gemeinschaftlich nutzbare WC, Bäder und Tv-Raum.
Tabelle der Kabinen nach Kategorien/Klassen an Bord der zwei Fähren der Meimon Taiyo Ferry Reederei, die 2015 in Dienst gestellt wurden.

Kabinen und Kojenplätze

Weil hier zur Veranschaulichung Fotos der Meimon Taiyo Ferry Reederei abgebildet sind, möchte ich darauf hinweisen, dass die Ausstattung auf deren Schiffen nicht zwingend ein Standard in Japan darstellt. Allerdings findet man auf modernen Fähren anderer Gesellschaften ein ähnliches Angebot.

Suiten

Wenn Suiten zur Auswahl stehen, dann können sie wie in Abb. 2–3 gestaltet sein. Daher sind sie höherwertigen Kabinen auf Kreuzfahrtschiffen ebenbürtig. In dieser Kategorie sind sie mit großzügig breiten Betten sowie eigenem Bad, Bidet-WC und Tv ausgestattet.

Deluxe-Kabinen

Die Deluxe-Kabinen sind quasi eine etwas einfachere Version der Suiten, bieten aber einen vergleichbaren Komfort. Dazu gehören die breiten Betten, Tv und auch das eigene Bad, das über ein Bidet-WC und eine Wanne verfügt.

Erste Klasse

Auf Schiffen klingt die Erste Klasse zwar nach einer sehr gehobenen Kategorie, kann aber deutlich einfacher als Suiten oder Deluxe sein. Komfortable ist sie trotzdem, da sie mehr Privatsphäre bietet, als die Kategorien darunter. Sie kann für Einzelpersonen ausgelegt sein oder für kleinere Gruppen.

Komfort Klasse

Wer Jugendherbergen aus seine Kindheit kennt oder Berghütten, der wird hier mit diesen Einzelkojen kein Problem haben. Diese Kategorie hat kein eigenes Bad, WC, oder Tv. Daher müssen das Gemeinschaftsbad und Toiletten benutzt werden. Das Konzept scheint von den sogenannten “Capsule-Hotels” zu stammen. Da es in dieser Art von Minikabine nur wenig platzt gibt, stehen für Koffer und Rücksäcke Schließfächer zur Verfügung.

Abb. 10: Komfort-Klasse

Touristen-Klasse

Die Touristenklasse ist der Komfortklasse vom Konzept her ähnlich, also ebenfalls mit Einzelkojen ausgestattet. Hingegen sind bei dieser Konfiguration bis zu 4 Kojen pro offenem Abteil vorhanden (2 übereinander und davon 2 pro Abteil).

Economy-Klasse

Hingegen findet man auf manchen Schiffen neben Kabinen auch Schlafsäle (bei einigen Schifffahrtsgesellschaften auch als Economy-Klasse bezeichnet) für eine größere Anzahl an Passagieren. Das ist zwar die günstigste Kategorie, dafür schläft man hier aber auf tagsüber zusammengelegten Matratzen. Nur ein Vorhang bietet etwas Privatsphäre vom Nachbarn. Bad, WC und Tv gibt es dann nur im Servicebereich und in gemeinschaftlicher Nutzung. Diese Kategorie ist Passagiere, die keinen besonderen Komfort brauchen oder maximal Geld sparen wollen.

Servicebereiche

Für Japan typisch ist die Badekultur, weshalb es auch auf den Schiffen nach Geschlechtern getrennte Gemeinschaftsbäder gibt. Diese sind dafür recht angenehm gestaltet und ausgestattet (Warmwasserbecken, Einzelplätze zum abduschen usw.). Außerdem gibt es ein Bordrestaurant mit warmer Küche oder Buffet, einen Bord-Laden sowie und Kinderspiel- und Wickelräume. Außerdem bieten einige Fähren zur Unterhaltung auch einen Bereich mit Münzspielautomaten an. Wer es ruhiger mag, kann sich in eine der Lounges zurückziehen.

Noch Fragen?

Wer es sehr genau wissen will, um bspw. Gesellschaften sowie deren Routen, Fahrpläne und vor allem Preise einzusehen oder Buchungen vorzunehmen, kann sich über die hier gelisteten Links einen Überblick verschaffen. Allerdings sind nur die großen Reedereien aufgelistet. Für die kleineren Gesellschaften, die eher auf Kurzstrecken operieren, findet man meist im Internet Informationen, vorausgesetzt der Start- und Zielhafen sind bekannt. Übrigens kann sogar Google Maps zu Kurzstrecken mit die Routenanzeige Aufschluss über Fähr- und Schiffsverbindungen geben.

Bildquellen

Abb. 1–17 Mit freundlicher Genehmigung von © Meimon Taiyo Ferry Reederei, 2023 (© 名門大洋フェリー船舶会社のご厚意により、2023).