Telekommunikation in Japan

Voraussichtliche Lesedauer: 12 Minuten

Telekommunikation in Japan

Reisende sowie Personen, die sich für länger oder dauerhaft nach Japan begeben, werden früher oder später den Wunsch haben, die Daheimgebliebenen zu kontaktieren. Wie bei uns auch, sind z. B. Festnetztelefonie, der Mobilfunk oder das Internet die Mittel der Telekommunikation in Japan. Aber wie funktionieren Telefon & Internet in Japan? Wie das am besten und günstigsten geht, möchte ich folgend erläutern. Denn auch das Telefonieren hat in Japan seine Besonderheiten, ebenso der Internetzugang.

Öffentliche Telefone

Einst waren öffentliche Münzfernsprecher das Rückgrat der Telekommunikation in Japan. Inzwischen ist aber mobiles Telefonieren für viele Menschen der Normalfall. Wer aber weder Handy noch Smartphone besitzt, ist froh darüber, auch ein öffentliches Telefon zu finden. Allerdings ist die Zahl der Münzfernsprecher, kōshū-denwa 公衆電話 oder jidō-denwa 自動電話 genannt, geschrumpft.
In Japan sind sie eine “allgemeine Dienstleistung” für jeden. Das heißt, dass per Gesetz in Städten ein öffentliches Telefon/500 m2 vorhanden sein muss. Außerhalb von Städten ist es eins/km2. In ganz Japan gibt es noch 110.000 solcher Apparate und 40.000 weitere, die aber von privaten Telekommunikationsunternehmen aufgestellt wurden. In den letzten 20 Jahren ist deren Nutzung auf nur noch 2% gesunken[1].

Standorte

Öffentliche Telefone, mit denen man auch ins Ausland telefonieren kann, erkennt man an ihrer Farbe. Diese Apparate sind grau oder grün (Abb. 1). Um sicher zu sein, dass man mit dem Apparat ins Ausland telefonieren kann, sollte der Vermerk „International & Domestic Card/Coin Telephone“ drauf stehen.
Typischerweise stehen öffentliche Münzfernsprecher meist dort, wo sich täglich viele Menschen aufhalten. So z. B. in über- und unterirdischen Bahnstationen, Kaufhäusern, Bürogebäuden, vielen Bildungseinrichtungen und Krankenhäusern oder in bzw. vor Supermärkten oder kombini (Convenience Stores). Telefonzellen gibt es hingegen kaum.

Abbildung eines neueren öffentlichen Telefons von NTT
Abb. 1: Modell eines öffentlichen Münz-/Kartentelefons von NTT. © nippon-info.de.

Die grünen, öffentlichen Münz- und Kartenfernsprecher gibt es in leicht unterschiedlichen Ausführungen (Abb. 1-3). Jedoch bleiben die Grundfunktionen stets gleich.

Nutzung

Die Netzanbieter sind NTT (Nippon Telephone & Telegraph) und KDDI (Kokusai Denshin Denwa Inc.) und Softbank (ehem. Vodafone). Die Apparate akzeptieren Prepaid-Karten (1.000 Yen Guthaben) oder Münzen (10 oder 100 Yen). Die Prepaid-Karten erhält man an vielen Kiosken oder in Nachbarschaftsläden, den kombini, wie Lawson, Seven-Eleven (7-Eleven), Daily Yamazaki, Seicomart oder Spar usw. Gespräche können ins In- und Ausland geführt werden, sofern kein Hinweis an Apparaten nur auf Inlandsgespräche hinweist. Für solche Telefone ist die Bezeichnung IC (International Calls) üblich. Hier gilt die unten beschriebene Vorgehensweise beim Einwählen.
Gespräche im Festnetz innerorts kosten 10 Yen/min. Die Kosten für eine Gesprächsminute außerorts, aber im Inland, hängen von der Entfernung zum anderen Ort ab. An Wochenenden und an Feiertagen sind die Tarife günstiger. Auslandsgespräche werden mit 200 Yen/Min berechnet. Für diese und die Inlandsanrufe gibt es spezielle Prepaid-Karten, die man in der Regel an den oben genannten Verkaufsstellen erhält.

Anrufe aus Japan ins Ausland

Wer von Japan aus beispielsweise über ein öffentliches Telefon in ein ausländisches Festnetz telefonieren möchte, muss wie folgt vorgehen (Tab. 1):

  • Erst die Vorwahl des Netzanbieters* eintippen (NTT, KDD oder Softbank),
  • dann die Vorwahl für Auslandsgespräche,
  • darauf die Vorwahl des Heimatlandes eingeben (jedoch ohne die Doppelnull),
  • gefolgt von der Ortsvorwahl (ohne die erste Null)
  • und schließlich die Nummer des gewünschten Anschlusses.
Netzanbieter*Auslandsgespr.LandOrtAnschluss
NTT 0033*010BRD 49Berlin 301234567
KDD 001*010A 43Wien 11234567
Softbank 0061*010CH 41Bern 311234567
* Der Netzanbieter kann meistens frei gewählt werden und wurde hier nur beispielhaft zugeordnet. Die Wahl sollte von den Gesprächsgebühren abhängen, bei öffentlichen Telefonen vom Betreiber!
Tab. 1: Anrufe aus Japan in die BRD, Österreich und Schweiz.

Für einen Anruf aus Japan in ein ausländisches Mobilfunknetz bedarf es neben der Landesvorwahl noch der Vorwahl für das Mobilfunknetz (ohne die Null am Anfang), gefolgt von der Nummer des Teilnehmers.

Japanische Telefonnummern

In Japan sind Festnetznummern einschließlich der Ortsvorwahl immer zehnstellig. Die Ortsvorwahlen können jedoch unterschiedlich lang sein, zwischen zwei und vier Ziffern, folglich die Durchwahlnummern dann zwischen sechs und acht Ziffern. Bei Gesprächen innerhalb eines Ortes braucht man die Vorwahl nicht einzugeben.

Mobilfunknummern

Bei elfstelligen Inlandsnummern handelt es sich um Mobilfunknummern. Diese sind auch an den Vorwahlen 070~, 080~, und 090~ erkennbar, die auf verschiedene Mobilfunknetze in Japan hindeuten.

Kostenlose Services

Innerhalb Japans sind die 0120~ (NTT) und die 0088~ (Japan Telekom) Vorwahlen für kostenlose Services. Jedoch sind Anrufe dieser Nummern nur aus dem Festnetz kostenlos. Wenn über ein japanisches Mobilfunknetz angerufen wird, dann fallen auch hier entsprechende Gesprächsgebühren an.

Mobilfunkstandards

Wer sein eigenes Smartphone nach Japan mitnehmen will, sollte bedenken, dass die Mobilfunknetze in Japan kein GSM mehr nutzen, sondern UMTS bzw. 3G/W-CDMA. Inzwischen gibt es auch die Standards 4G/LTE, 4G+ und 5G. Allerdings sind diese Standards derzeit vor allem in den dichtbesiedelten Gebieten Japans verfügbar (siehe hierzu nPerf). Obwohl westliche Geräte den 3G/W-CDMA Standard erfüllen, können unter Umständen aufgrund technischer Unterschiede die Geräte in Japan trotzdem nicht funktionieren.

Handy oder Smartphone?

Inzwischen telefonieren viele Menschen auch in Japan über das Mobilfunknetz. Dieses wird von drei großen Anbietern dominiert: NTT DoCoMo, SoftBank (ehemals Vodafone) und KDDI (Kokusai Denshin Denwa Inc.). Während in den 1990ern Mobiltelefone in vielen Ländern noch eine kostspielige Angelegenheit waren, entwickelte sich diese Branche in Japan sehr schnell. Natürlich haben auch Smartphones ihre Verbreitung in Japan.

Handys

In vielen westlichen Ländern gilt das Telefonieren mit Handys als altmodisch. In Japan hingegen, ist das nicht so. Weil japanische Handys, keitai 携帯 genannt, unterscheiden sich von westlichen Modellen. Beispielsweise haben japanische Netzbetreiber exklusiv für ihre Services konzipierte Handys mit eigenen Betriebssystemen etabliert. Zudem verfügen sie über viele Sonderfunktionen, sodass sie trotz eines Booms der Smartphones noch immer weit verbreitet sind. Und solange die Gebühren in Japan für das Surfen im Internet via Smartphone noch immer relativ hoch sind, werden die keitai auch nicht so schnell verschwinden.

Smartphones

Inzwischen telefonieren trotzdem die meisten mit Smartphones. Und für die gibt es im Japanischen gleich vier Bezeichnungen: smātofon スマートフォン, sumaho スマホ, takinō-keitai-denwa 多機能携帯電話 (tragbares Multifunktionstelefon) oder kōkinō-keitai-denwa 高機能携帯電話 (tragbares Hochleistungstelefon).
Spitzenreiter bei den Smartphones sind Apple und Sony, gefolgt von Samsung. Darüber hinaus gibt es noch Modelle, die von den japanischen Netzbetreibern herausgegeben werden und auf deren Services spezialisiert sind. Obwohl die iPhones sehr beliebt sind, so hatten sie doch bisher Probleme mit eben diesen Services, weil ihr Betriebssystem dafür nicht kompatibel war. Inzwischen wird jedoch an der Kompatibilität gearbeitet, sodass z. B. wichtige Informationen des behördlichen Katastrophenschutzes empfangen werden können.

Smartphones in Japan
Abb. 2: Mit dem (eigenen) Smartphone unterwegs in Japan.

Eigenes Smartphone nutzen?

Vor dem Einsatz des eigenen Geräts mit einer japanischen SIM-Karte, sollte man sich noch über die Roaming-Gebühren beim Netzanbieter informieren. Zudem ist zu bedenken, dass man bei einigen japanischen Anbietern eine SIM-Karte erst unter Vorzeigen einer zairyū-kādo (begrenzte Aufenthaltserlaubnis) und oft einer gültigen japanischen Kreditkarte erhält. Hierzu auch folgender Link: netzwelt.de (Stand 2018!).

Internetzugang

Beim Thema Telekommunikation in Japan ist auch das Internet wichtig. Wenn es um eine Festnetzverbindung geht, kommt man nicht an den drei großen Anbietern NTT DoCoMo, Softbank oder KDDI vorbei. Allerdings wird das nur für Personen in Frage kommen, die lange oder mit Wohnsitz in Japan sein werden. Hingegen sucht der Tourist nach einer kurzfristigen Lösung. Möglicherweise sogar unter Nutzung des eigenen Smartphones. In Japan gibt es dafür drei Lösungen: Pocket-WLAN, SIM- oder eSIM-Karten

Mobiles WLAN

Um das eigene Smartphone ohne fremde SIM-Karte in Japan internetfähig zu machen, benötigt man ein Pocket-WLAN. Das Pocket-WLAN ist ein mobiler WLAN-Router, der kurzfristig gemietet wird. Das kleine, kompakte Gerät wird vorbestellt, dann abgeholt oder geliefert und später wieder zurückgegeben. Es stellt die Verbindung in ein japanisches Mobilfunknetz her, über das man ins Internet kommt. So können z. B. WhatsApp oder der Messanger von Facebook u. a. Dienste (Abb. 3) genutzt werden, um Nachrichten zu senden und zu empfangen oder sogar (Video)Gespräche zu führen.

Internetzugang per eigenem Smartphone in Japan
Abb. 3: Internetzugang mit dem eigenen Smartphone in Japan.

SIM und eSIM

Für die Telekommunikation in Japan, insbesondere den Internetzugang per eigenem Smartphone, können japanische SIM und eSIM eine interessante Lösung sein. Denn moderne westliche Geräte können auch japanische (physische) SIM-Karten nutzen. Jedoch muss die SIM-Karte nicht zwingend getauscht werden, weil modernere Gerät teilweise inzwischen auch über die eSIM (embeded SIM) verfügen. Soweit ein Smartphone eSIM-fähig ist, können recht günstige Services (z. B. von Mobal, siehe Liste unten) genutzt werden. Denn hier sind die Kosten und Nutzungsdauer recht frei Wählbar. Darüber hinaus ist die Installation und Nutzung sehr einfach. Bei Fragen oder Problemen gibt es bei den auf Ausländer ausgerichteten Services auch einen englischsprachigen Kundenservice.

Wichtiger Hinweis

Nicht alle europäischen Smartphones funktionieren mit den in Japan verkauften SIM-oder eSIM-Karten. Japanische Anbieter von Prepaid SIM-Karten erstatten keine Kosten, wenn das Gerät nicht mit der SIM-Karte kompatibel ist (Abb. 4). Die einzige Ausnahme ist der Service von CDJapan. Wenn die SIM-Karte inkompatibel ist, aber innerhalb von 2 Tagen zurückgegeben wird, dann erstattet CDJapan die Gebühr zurück.

Abbildung einer SIM-Karte mit Smartphone
Abb. 4: Japanische Prepaid SIM-Karten funktionieren nicht mit allen ausländischen Smartphones.

Mobiltelefon mieten?

Statt des eigenen Mobiltelefons kann auch nur die eigene SIM-Karte nach Japan mitgenommen werden und damit auch die eigene Rufnummer. Die SIM-Karte kann dann in ein gemietetes Mobiltelefon eingesetzt werden. Näheres hierzu sollte man beim Anmieten klären.
Alternativ kann man auch günstige Miet-Handys von SoftBank auf Tagesbasis erhalten, inklusive einer Prepaid-SIM und lokaler Rufnummer, aber ohne Versicherung. Dies bietet sich vor allem dann an, wenn man nicht länger als 90 Tage (Touristenvisum) in Japan weilt, aber erreichbar sein muss und kein eigenes Gerät mitnimmt. Mobal bietet einen sehr flexiblen Service an, der auf Ausländer in Japan zugeschnitten ist. Also ohne bindende Vertragszeiten, eine Aufenthaltserlaubnis oder japanische Kreditkarte. Miethandys werden bereits an den internationalen Flughäfen Japans angeboten, jedoch zu überhöhten Preisen. Es empfiehlt sich, diesen Service in den Innenstädten aufzusuchen. Die Tarife für Gespräche mit solchen Handys ins Ausland sollte man ebenfalls vorher erfragen. Gewöhnlich sind Anrufe aus dem Ausland, die man auf solchen Handys in Japan entgegennimmt, kostenlos.

Probleme

Touristen aus den USA und Europa, die sich länger in Japan aufgehalten haben, bemängelten bisher das recht intransparente Abrechnungssystem japanischer Mobilfunknetzanbieter. Die Telekommunikation in Japan kennt nur eine minimale staatliche Branchenregulierung, denn es gibt offiziell nur freiwillige Richtlinien. Allerdings halten sich die Netz- und Serviceanbieter aber anscheinend daran.
Ebenso wurde auch der vergleichsweise „eingeschränkte“ Service bei Problemen und technischen Fragen in den Verkaufsstellen kritisiert. Allerdings ist dies meistens auf Sprachprobleme zurückzuführen. Weil die Angestellten der japanischen Netz- oder Serviceanbieter werden sich zwar Mühe geben, aber bei komplexeren Fragen oder Problemen ist möglicherweise deren Englisch begrenzt. Falls dem so ist, sollte eine Person helfen, die ins Japanische übersetzen kann.

Noch Fragen?

Wenn Sie noch Fragen zum Thema Telekommunikation in Japan, insbesondere zu Smartphones, auch das Mieten von Geräten, SIM-Karten und Internet haben, ob lang- oder kurzfristig, dann gibt es weitere Infos auf folgenden Websites:

Bei langfristigen Aufenthalten in Japan (über 90 Tage)

Für kurzfristige Aufenthalte (bis zu 90 Tage)

Quellen

[1] SoraNews24: The end of the pay phone? Japanese government considering getting rid of phone boxes; 27.01.2021. (abgerufen 16.04.2023)

Bildquellen

Abb. 1 Bildquelle: pixabay.com; Bildautor: Julio César García, 22.04.2016. Public Domain (PD).

Abb. 2 Bildquelle: pixabay.com; Bildautor: Nicolas Wauters, 13.06.2018. Public Domain (PD).

Abb. 3 Bildquelle: pixabay.com; Bildautor: LoboStudioHamburg, 07.03.2024. Public Domain (PD).

Abb. 4 Bildquelle: pixabay.com; Bildautor: tomekwalecki, 17.09.2019. Public Domain (PD).